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Harald Giersing: Skovinteriør. Sorø

Waldinneres. Sorø

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1915 | Öl auf Leinwand, 73,5 x 64,2 cm | Foto: Ole Akhøj

Im Juli 1915 kam der junge Maler Harald Giersing nach Sorø. Hier sollte er eine Reihe von Waldbildern malen, von denen mehrere später auf der ersten Ausstellung der Künstlervereinigung Grønningen gezeigt und von Kritikern hochgelobt und zum Verkaufserfolg wurden.

War der Monat Juni warm und trocken, sollte der Juli sich als besonders nass erweisen, weshalb Giersing mehrere Tage in seinem Hotelzimmer verbringen musste. In den Briefen nach Hause an den Vater und die Schwester kann man sein ständiges Wehklagen über das nasse Wetter lesen, die Unterkunft und dazu Ohren- und Zahnschmerzen. Dennoch sollte es ein unglaublich produktiver Aufenthalt werden, und als der Maler im August wieder nach Hause aufbrach, hatte er nicht weniger als zehn bis zwölf Bilder im Gepäck. Im Sommer 1915 wurde für Giersing der Wald zum ganz großen Motiv – Waldpfade, Waldrand und Lichtungen, Baumstämme, Kronen und das Laub in unzähligen grünen Nuancen. Vielleicht war alles so grün in grün, weil alles so nass war. Giersing jedenfalls fing in diesem expressiven Bild auf herausragende Weise den grünen, nassen, verdichteten dänischen Sommerwald ein. Der Rezensent der Tageszeitung Politiken, Knud Pontoppidan, konnte somit im folgenden Jahr schreiben: „Giersing sieht den Wald am liebsten bei mildem, feuchtem, trübem Wetter, das für unser Klima so typisch ist. Er hat den Ausdruck für etwas gefunden, das, wie ich meine, keiner so schön gesehen hat wie er: das milde dänische Sommerwetter, wo die Sonne halb durch die diesige Luft scheint.“

Mit seinen Waldmotiven versöhnte Harald Giersing den Modernismus mit der traditionellen Landschaftsmalerei. Das vorliegende Werk stellt zwar nicht den radikalsten Einbruch der Moderne in der Produktion des Künstlers dar, ist aber in Komposition und in der Auffassung von Landschaft eine natürliche Fortsetzung der dänischen romantischen Tradition des 19. Jahrhunderts.

Jacob Helbo Jensen