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Otto Diderich Ottesen: Roser

Rosen

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Öl auf Leinwand, 37 x 30,5 cm | Foto: Ole Akhøj

O. D. Ottesen galt zu Lebzeiten als einer der besten Blumenmaler des Landes. Einige Jahre war er Schüler der Kunstakademie in Kopenhagen, hatte seine Ausbildung jedoch nie abgeschlossen, sondern sich das meiste durch das Kopieren holländischer Blumenbilder des 17. und 18. Jahrhunderts in der Königlichen Gemäldegalerie (heute Statens Museum for Kunst) beigebracht, ehe er 1858 selbst Holland besuchte. Die Verbundenheit mit den ausländischen Meistern zeigt sich vor allem am Detailreichtum und der großen Naturtreue.

Auf diesem Bild hier sieht man einen Strauß aus Rosen in weißen und hellroten Nuancen. Die Blütenblätter der Blumen stehen voll im Licht und überstrahlen die Blätter im Hintergrund mit ihren tiefgrünen und dunkleren Tönen. Das diffuse Licht setzt den Bildraum regelrecht in Szene. Damit vereinigt Ottesen in dem Werk Schönheit und Wahrheit durch eine präzise und detaillierte Schilderung von Blumen in unterschiedlichen Stadien des Erblühens; und zwar so, dass jede Blume sich von ihrer schönsten Seite zeigt. Der Maler interessierte sich ebenso für kultivierte wie auch für wilde Pflanzen. Er hatte großes Interesse an der Eigenart der einzelnen Pflanze und ein Gespür dafür. Hierzu machte er Notizen in seinem Werk- und Verkaufsverzeichnis – vor allem bei seiner großen Passion, den Rosen.

Sein Leben lang stand O. D. Ottesen hoch im Ansehen und hat ganze zweiundvierzig Mal an der jurierten Charlottenborgausstellung in Kopenhagen teilgenommen – mit insgesamt 209 Werken. 1874 wurde er an der Akademie in der Hauptstadt zum Professor ernannt; gleichzeitig hat er privat unterrichtet, u. a. Sophie Henck (1822–1893), die auch eine herausragende Blumenmalerin werden sollte. 1887 wurde Ottesen Mitglied des Akademierates und blieb bis ins hohe Alter aktiver Künstler und stellte auch weiter aus. In der dänischen Kunstgeschichte gilt er als einer der letzten großen Blumenmaler.

Jacob Helbo Jensen