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Ludwig Dettmann: Dilettantinnen

Dilettantinder

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1894 | Öl auf Leinwand auf Karton, 50,4 x 67 cm

Der in der Nähe von Flensburg geborene Dettmann hatte an der Berliner Akademie studiert und sich, angeregt durch Max Liebermann, der Landschaftsmalerei zugewandt. Er wurde 1891 Lehrer an der Zeichen- und Malschule des Vereins Berliner Künstlerinnen. Da für Frauen in Deutschland erst ab 1919 das Kunststudium an den Akademien möglich wurde, kam dieser Ausbildungsstätte eine große Bedeutung zu. „Dilettierende“ Malerinnen, also solche, welche die Malerei nicht als Hauptberuf ausübten, bilden auch das Motiv des vorliegenden Gemäldes. Zwei mit bunten Kleidern und Hüten sommerlich gekleidete Damen haben sich in die Natur begeben, um unter freiem Himmel zu malen bzw. zu zeichnen. Damit waren sie nicht nur als Frauen Exotinnen, sondern auch als Künstlerinnen auf der Höhe der Zeit. Die eine sitzt auf einem Klapphocker, die andere direkt im Gras. Beide haben einen Zeichenblock vor sich und studieren die Landschaft. Die Flüchtigkeit des Moments und sein dauerhaftes Festhalten spielen auch in Dettmanns Gemälde eine entscheidende Rolle. Die Landschaft, eine Wiese mit blühenden und im Wind leicht geneigten Gräsern, ist skizzenhaft, beinah unscharf in ihrer flüchtigen Erscheinung gemalt. Die beiden Malerinnen und ihr Sonnenschirm sind hingegen mit klarem Pinselstrich festgehalten und stechen aus dem landschaftlichen Umfeld heraus. Die Position des Betrachters im Rücken der Künstlerinnen erlaubt es, beide Blickwinkel einzunehmen: den Blick der Malerinnen auf das vor ihnen liegende Stück Natur und den Blick des Beobachters auf zwei „dilettierende“ Malerinnen in der Landschaft.

Alexander Bastek