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Peder Severin Krøyer: Kvinder i haven

Frauen im Garten

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1891 | Öl auf Leinwand, 46,5 x 38,5 cm

Zur Lübecker Kunstpflege zählt traditionell auch der Blick auf die Kultur der nordischen Nachbarn. Dennoch sind Werke skandinavischer Künstler mit Ausnahme Edvard Munchs in der Sammlung des Museums Behnhaus Drägerhaus eher die Ausnahme. Umso bemerkenswerter ist der frühe Erwerb von Krøyers „Frauen im Garten“. 1895 auf der „Grossen nordischen Kunstausstellung“ in Lübeck für das Museum angekauft, hätte das Bild ein guter Grundstein für eine Sammlung auch der dänischen Moderne sein können. Heute fügt sich diese sommerliche Szene mit Werken von Liebermann, Corinth, Kuehl oder Linde-Walther in den Rahmen eines europäischen Impressionismus.

Krøyer stellte hier seine Frau Marie und deren Mutter dar, wie sie im Garten des Hauses von Frau Bendsen in Skagen mit Handarbeiten beschäftigt sind. Zu sehen ist also eine absolute Alltagsszene, wie sie in der akademischen Malerei noch vollkommen undenkbar gewesen wäre. Licht, Atmosphäre, der flüchtige Augenblick dieses Sommertages – das sind die Grundmotive für diese malerische Impression. Und dennoch liefert das Gemälde als klassisches Figurenbild Erzählstoff: Mutter und Tochter sind gemeinsam und doch jede für sich bei der Arbeit gezeigt. Der Liegestuhl im Vordergrund ist unbesetzt. Marie hat Stoffe und einen Korb darin abgelegt. Man könnte dies auch als Verweis darauf lesen, dass der Platz nach dem Tode von Maries Vater im Frühjahr nun unbesetzt bleibt. Trotz der hellen und farbigen Malerei bestimmen Ruhe und das nach innen Gewandte der Figuren die Stimmung des Bildes. Blickt man auf den eingangs genannten Vergleich mit dem deutschen Maler Max Liebermann, so könnte man Krøyers Bild auch als bürgerliche Version der Flachs spinnenden Bäuerinnen bezeichnen.

Alexander Bastek