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Gotthardt Kuehl: Alter Herr mit Weinglas

Gammel herre med vinglas

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erste Hälfte 1880er Jahre | Öl auf Holz, 9,5 x 12,5 cm

Zwischen 1879 und 1889 lebte und arbeitete Gotthardt Kuehl in Paris. Dort entstand auch das kleine Bildchen „Alter Herr mit Weinglas“, das sogar im Salon ausgestellt worden sein soll. Im Zuge der Erwerbung des Bildes 1918 hieß es in den Vaterstädtischen Blättern, es solle eine am Montmartre bekannte Figur darstellen, die für ihre „boshaften Trinksprüche in den Pariser Kneipen ebenso gern gehört als auch gefürchtet wurde“.

Kuehl stellt diesen „lustigen Zecher“ in genau solch einer Situation dar. Einerseits folgt er formell der gesellschaftlichen Form – er trägt einen Zylinder und hebt sein Glas zum Toast – andererseits präsentiert er sich sehr unkonventionell – der Kopf ist schräg gestellt und er sitzt verkehrt herum auf dem Stuhl. So hat er sich dem Betrachter über die Lehne zugewandt und sein verschmitzter Gesichtsausdruck lässt erahnen, dass er einen süffisanten Trinkspruch ausbringen wird. Das Farbspiel im Gesicht des Trinkers, die Rottöne seiner Trinkernase und die Lichtreflexe lassen das kleine Bildchen ganz als impressionistische Momentaufnahme erscheinen. Zugleich greift Kuehl mit dem „lustigen Trinker“ ein in der niederländischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts beliebtes Thema auf.

Alexander Bastek