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Anselm Feuerbach: Römisches Blumenmädchen

Romersk blomsterpige

44.JPG 1861/62 | Öl auf Leinwand, 89 x 71 cm

Anselm Feuerbach zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er erhielt seine Ausbildung an den Akademien in Düsseldorf und München. Klassische Motive und die Hinwendung zu einer modernen Malerei prägen sein Werk, so auch das Gemälde „Römisches Blumenmädchen“ von 1861/62. 1851 war Feuerbach nach Paris gereist, um Gemälde im Louvre zu kopieren. Die Werke Gustave Courbets und Thomas Coutures beeindruckten ihn nachhaltig. In Coutures Atelier lernte er den französischen Malstil kennen, mit nur wenigen, direkt auf der Leinwand gemischten Farben Frische und Spontaneität zu erzeugen. Die duftige Frische des „Römischen Blumenmädchens“ zeigt deutlich den Einfluss der Franzosen. Der klassische Aspekt des Gemäldes ist sein italienisches Motiv. 1855 war Feuerbach nach Italien gegangen und hatte dort 1860 Anna Risi kennengelernt, die als „Nanna“ sein bevorzugtes Modell wurde. Sie mag ihm auch für das Blumenmädchen Porträt gestanden haben. Allerdings erscheint sie darin nicht als klassische mythologische Figur, sondern als zeitgenössische Römerin. Ihr Porträt ist in einer lebensnahen Szene präsentiert. Wir sehen sie beim Blumenbinden. Allerdings scheint die Anwesenheit des Betrachters sie bei der Arbeit zu unterbrechen. Mit zurückhaltender Scheu und doch auch selbstbewusst blickt sie zurück. Ihre Hand, flüchtig in der Bewegung gemalt, hält eine einzelne Blume. Vor ihr liegt das Blumengesteck. Feuerbach wählte genau den Moment, in dem die Dargestellte zwischen innerbildlicher Handlung und Kommunikation mit dem Betrachter schwankt. Wird sie uns am Ende die Blume reichen oder kehrt sie zu ihrer Arbeit zurück?

Alexander Bastek