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Jais Nielsen: Selvportræt

Selbstportrait

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1916-1917 | Öl auf Leinwand, 151,5 x 85,5 cm | Foto: Ole Akhøj

Jais Nielsen verbrachte die Jahre von 1911 bis 1913 in Paris. Der Aufenthalt in diesem französisch-internationalen Milieu war für den jungen Künstler, den die zeitgenössischen kubistischen Strömungen außerordentlich inspirierten, von großer Bedeutung. Wieder in Dänemark sollte Nielsen einer der herrausragenden Namen im Kampf für die „moderne“ Kunst werden, der gerade in diesen Jahren auf der Kunstnernes Efterårsudstilling (Herbstausstellung) ausgefochten wurde.

Zu den Bildern, die Jais Nielsen ausstellte, gehörte das Selbstporträt (1916–1917). Hier treten die kubistischen Elemente deutlich hervor: So hat er eine kaleidoskopartige Komposition geschaffen, die die Wirklichkeit zu einer Reihe begrenzter Elemente fragmentiert. Diese wechseln zwischen räumlichen Öffnungen und eher geschlossenen Flächen, wo vertikale Linien das Motiv aufbrechen und verschieben. Das Bild ist erst auf den zweiten Blick zu erfassen. Gerade diese einfache und verzerrte Wirklichkeit hat den kunstinteressierten Arzt Carl Julius Salomonsen (1874–1925) 1919 veranlasst, eine Schrift unter dem Titel Ansteckende Geisteskrankheiten früher und heute in Hinblick auf die neuesten Kunstrichtungen herauszugeben. Er diagnostizierte bei den jungen Künstlern eine ansteckende Geisteskrankheit, deren markantes Symptom eine Verzerrung und Verdrehung der sichtbaren Wirklichkeit war, und damit auch ihres Geistes.

Jacob Helbo Jensen