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Hermann Linde: Kleine Petersgrube

Kleine Petersgrube

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1891 | Öl auf Leinwand, 70,7 x 48,7 cm

Wie sein Bruder Heinrich Eduard kehrte auch Hermann Linde immer wieder nach Lübeck zurück, um sich malerisch seiner Geburtsstadt zu widmen. Im Gegensatz zu seinem Bruder (vgl. Kat. 14) tauchen Menschen in Hermann Lindes Stadtansichten jedoch meist nur als Staffagefiguren auf. Er widmet sich auch in diesem Gemälde ganz dem Stadtbild. Seine Staffelei hat er an der Obertrave gleich gegenüber der Kleinen Petersgrube aufgebaut. Links ist der Gasthof „Stadt Kiel“ zu sehen, vor dem zwei Fuhrwerke stehen. Der Blick schlängelt sich im Mittelgrund durch die Kleine Petersgrube, über der sich die Petrikirche mit ihrem Turm erhebt. Bewusst wählte Linde ein Hochformat, um das Hinaufstreben von Gasse und Kirchturm in Szene setzen zu können. Linde malte ein Motiv, das die Fotografen – nicht zuletzt sein Vater und sein Onkel – seit einigen Jahren bestens bedienten. Daher ging es dem Maler nicht um eine exakte Wiedergabe der Häuser und Straßen, sondern um das Einfangen des Atmosphärischen und Stimmungshaften. Der blaue Himmel und die weißen Wolken, das Lichtspiel auf der Straße und die Schatten – all das hat Linde in einer modernen, flotten Malerei festgehalten und damit eine ganz unfotografische Impression geschaffen.

Alexander Bastek