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Hermann Linde: Lübecker Stadtgarten

Lübecker Stadtgarten

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1891 | Öl auf Leinwand, 67,8 x 47,5 cm

Hermann Linde entstammte einer für Lübecks Kunst und Kultur wichtigen Familie: Sein Vater Hermann und der Onkel Carl Gustav waren Fotografen, der Bruder Heinrich Eduard war ebenfalls Maler (vgl. Kat. 14, 30, 32, 48 und 64) und der Bruder Max war ein bedeutender Kunstsammler und Mäzen von Edvard Munch. Sein Großvater, der Maler Christian Peter Wilhelm Stolle, gab ihm ersten Zeichenunterricht, ehe Hermann Linde in Dresden und Weimar Kunst studierte.

Das Gemälde „Lübecker Stadtgarten“ zeigt den Garten und die rückwärtige Fassade seines Geburtshauses in der Johannisstraße, heute Dr. Julius-Leber-Straße 64. Dort betrieb sein Vater bis zum Entstehungsjahr des Bildes sein Fotoatelier. Linde malte es 1891, als er zwischen seinen Reisen nach Sizilien, Ägypten und Tunesien (1890) und seinem Aufenthalt in Indien (1892–1895) in seine Heimatstadt zurückgekehrt war. Entsprechend zeigt er das heimische Umfeld in idyllischer Abgeschlossenheit. Typisch für die Lübecker Innenstadt streckt sich das schmale Grundstück lang in die Tiefe, wo ein unerwartet großer Garten zu finden ist. Üppige Blumenbeete, gepflegte Rasenflächen und ein Springbrunnen stehen im Kontrast zu den alten und schiefen Giebeln und Dächern der Häuserzeile. Der Hund im Vordergrund und die Tauben fütternde Magd rechts verleihen der Szene gar eine erzählerische Note.

Alexander Bastek